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Alles was so hängen bleibt

Nachlese: Berlin – das wars!

Ein alter Entwurf den ich schon lange mal posten wollte, geschrieben damals im März.

Nach nicht ganz zwei Monaten kehre ich Berlin den Rücken. Der Job war ansich nicht schlecht, aber so richtig anfreunden konnte ich mit dieser Stadt nicht, klar hätte ich mehr Geduld haben müssen, den Dingen ihren Lauf lassen sollen, mich auch mal auf etwas einlassen können aber so isses leider nicht gekommen. Gerade in der Zeit als es mir langsam auf den Keks ging jeden Tag mit den Zug zur Arbeit zu fahren, kamen zwei nicht ganz uninteressante Jobangebote. Perspektivisch gesehen gab es auf lange Sicht eh nur ein Ziel, wieder zurück nach Leipzig – bin halt verdammt nochmal ein Leipziger.

Dass es jetzt so schnell ging, hätte ich mir nicht träumen lassen. Ich entschied mich die nächste Zeit für einen großen Solarmodulhersteller unweit von Leipzig zu arbeiten und gegen das erste Angebot aus Düsseldorf. Somit bin ich der Rheinmetropole zum zweiten mal von der Schippe gesprungen beim dritten mal wirds dann gewiß ganz schwer.
Also alles gut – ich bleibe Leipzig treu, behalte meine Wohnung, bleibe in meinem sozialem Umfeld und geniese weiterhin die angenehme Vielfältigkeit der Stadt.

Was bleibt hängen? Prinzipiell war Berlin schon okay, vermisse ich doch die sich täglich ändernde Freiluftausstellung Berliner Strassenkunst, Mittags die unendliche Wahl zu haben, in welcher Kneipe/Bar/Café man speisen könnte, das Berliner S-Bahn-Publikum, welches immer großes Kino wahr. Gerne hätte ich auch den Frühling in Berlin kennenlernen wollen, so habe ich nur die winterlich dreckige Seite der Stadt erfahren dürfen und konnte nicht in der Frühlingssonne am Spreeufer sitzen und nach der Arbeit Grillgut mampfen.

Tja, Chance vorbei. Vielleicht ein anderes Mal.

Leipzig vs. Berlin

Für einen Leipziger ist es immer wieder einen existenzielle Frage ob man sich mit einer Stadt wie Berlin dauerhaft anfreunden kann. Meine These ist schon seit geraumer Zeit, wenn Einer Leipzig, da meine ich auch nicht Leipziger, kennen gelernt hat und dann nach Berlin geht, wird er über kurz oder lang irgendwann zurück nach Leipzig kommen.

Viele Beispiele aus meinem Bekannten- und Freundesdunstkreis bestätigen diese Annahme. Mir selbst geht es ähnlich, fahre ich doch jetzt seit einem Monat jeden Tag nach Berlin zum arbeiten, bleibe auch manchmal über Nacht, aber so richtige Kumpels werden Berlin und ich nicht.

Woran mag das liegen? Bei „leckeressen“ fand ich einige bezeichnende Aussagen: „…Wir haben unseren Berlinumzug wohl noch immer nicht ganz verdaut. Im kuscheligen Leipzig mit seiner doch ziemlich überschaubaren Gastronomie kannten wir uns recht gut aus. …“ „…Fast ein wenig lähmend wirkt das unüberschaubare Angebot an Kneipen, Gaststätten und Imbissen. Wo soll man anfangen in dieser Stadt – und vor allem wann? Das erste Mal seit langem sitze ich am liebsten abends auf dem Sofa mit einem Heißgetränk und einer Tafel Schokolade. …“ So in der Art fühlt man sich in Berlin, immer irgendwie nicht richtig heimisch, alles ist da – aber in Masse und in zu großer Auswahl die einen dann handlungsunfähig machen läßt. Auf der Couch bleibe ich trotzdem nicht hängen, man schaut halt dass man das eine oder andere nette Café findet und auf der Suche gibt’s dann garantiert Fußweh – der Entfernungen wegen – ist eben Berlin.

OHIO – Chiliplace

In China essen sie Hunde in Ohio Chili – verdammt platt die Brücke aber ein Einstieg. Mein neuer Arbeitsplatz bringt auch in der Nahrungsaufnahme Neuorientierungen mit sich. Schon wegen der räumlichen Trennung von Leipzig und der Verlagerung nach Berlin ergeben sich zur Mittagszeit so ziemlich unüberwindbare Entfernungen zum bevorzugten Chinesen und den Kantinen sowie Mensen der vertrauten Umgebung in L.E.

OHIO in Berlin Gastraum im OHIO

Die neuen Kollegen zeigen einem schon die Plätze die sie bevorzugen aber so manche die auf der Strecke liegen bleiben Ihnen verborgen, da sie nicht ins Schema Dönnerbude, Burgerladen und Inder bzw. Italorestaurant passen. Ab und an mach ich mich dann alleine auf den Weg und teste die kleinen schicken oder weniger schicken Lokalitäten rund um die Schlesischer Str.

OHIO - Blick zur Bar Letztens bin ich einfach in den Laden Namens Ohio gewatschelt an den ich jeden Morgen und Abend vorbei muss. Der Eindruck ist schon von außen sehr nett. Drinnen sitzen zumeist Leute im guten Alter von Mitte 20 bis Ende 30. Hinter der Bar ist gleich die offene Küche in der man es schon aus den Töpfe dampfen sieht. Die Theke ist beladen mit allerlei Kuchen, Pasteten und Zeugs was ich namentlich nicht zuordnen kann. Ein Blick auf die Menütafel verrät allerlei Interessantes. Moussaka, Chili con Carne, Suppen, Salate, Quiche, Empanada, Backkartoffeln und Sandwichs in abwechslungsreichen Ausführungen.

Ich entschied mich für das Chili (3,50), da mein Hunger groß und das Gericht vom Prinzip vertraut ist, also bestellte am Tresen nahm mir ein Glas Wasser (mit dem Geschmack von Zitrone und Pfefferminz for free) Setzte mich an einen der kleinen Tische und wartete kurz bis es mir serviert wurde. Angerichtet in einer OHIO Lecker Chili mit Olivenbrot hohen Schüssel stand es nett vor mir mit einem kleinen Schälchen Cheddarkäse und leckerem Olivenbrot. Das Chili war lecker, vielleicht etwas zu wenig Carne und nicht gerade feurig aber es machte den Eindruck eines selbsthergerichteten Essens und schmeckte wunderbar.

Die Bedienung nett, das Ambiente wunderbar nüchtern, alles mit einem Hauch südlichem Flair. Für eine Mittagspause fast zu gemütlich gebe ich eine unbedingte Empfehlung ab.