Meine Verhältnis zu Büchern ist sehr speziell, ich brauche ewig eh ich mich auf eines einlasse. Es kommt selten vor, dass ich mir spontan eins nehme und anfange zu lesen. Normalerweise dauert es eine gewisse Zeit, eh ich überzeugt bin es lesenswert zu finden. Ich muss erst den Empfehlungen intensiv nachgehen, Rezensionen lesen und noch dreimal drüber schlafen. Es gibt auch Bücher die werden mir über geholfen, einfach geschenkt und dann liegen sie da lachen einen an und rufen lies mich! lies mich! Bis ich es dann mache und so gar nicht mehr wegkommen von Ihnen, dann kann es sein dass ich mich auf die Folgebände stürze und sie herunter schlinge

Meyers „Als wir träumten“ hat meine Bücherumgangswelt ins wanken gebracht. Wie kann ein so hoch gelobtes Buch und von allen Seiten empfohlene Werk mir so gar nicht gefallen? Ich hatte es ewig links liegen und mich nicht beeindrucken lassen von den Lobgesängen, dann doch letztlich auf Hinweis von Blognachbarn mich ergeben. Kaufte es mir und fing an zu lesen…. legte es wieder weg, ließ es schmoren und begann erneut, quälte mich durch… .

Ungewohnt die Schreibweise, Zeitsprünge in den Kapiteln (kann funktionieren) abrupte Enden und nicht wieder aufgenommene Erzählstränge. Personen die eingeführt werden aber dann weiter nichts… man denk es kommt noch was… Fehlanzeige. Klar und präzise die Wortwahl, keine Prosa, keine Schmuckelemente, einfach und hart wie Schläge auf Metall, Ursache und Wirkung nah beieinander. Manche nennen dies ausdrucksstark, ich quälte mich damit.

Es ist wie, als sprichst du mit einem Freund der dir in der Umkleidekabine seine Erlebnisse erzählt. Kurz prägnant, umgangssprachlich ohne Umschweife auf den Punkt gebracht (bei diesem Buch leider über mehrere Stunden und du kommst nicht weg vom Erzähler). Was mich an diesem Buch dann doch gehalten hat, ist der lokale Bezug und die persönliche Nähe meines Alters in der Zeit der Wendewirrungen zum Protagonisten – sonst -rein gar nichts.

Genau wie eine der wenigen negativen Rezensionen bei Amazon urteilt „Ich habe mich durch dieses Buch regelrecht gequält. Ich habe es nur deswegen nicht zur Seite gelegt, weil ich grundsätzlich ein Buch, das ich einmal angefangen habe, auch zuende lese, immer in der Hoffnung, es kann ja noch besser werden. Bei diesem Buch war es (leider) nicht so. […] ein langweiliges Buch, das klischeehaft soziale Verhältnisse des ehemaligen Ostens zur Wende beschreiben will, in dem aber leider ein Handlungsstrang fehlt und nie Spannung aufkommt.“

Trotzdem gehört dies auch zum Thema Geschmackssache, deswegen kann ich es denen empfehlen die die Wendezeit als Jugendlicher kennen und irgendwas mit dem Leipziger Osten zu tun hatten. Gerne gebe ich mein Buch her, am liebsten im Tausch.